Farina Duftmuseum Köln

Farina Duftmuseum Köln

Das Farina Duftmuseum präsentiert mit dem Eau de Cologne Köln's eigene Duftnote

Welch' starke Wirkung ein Duft auf unsere Sinne hat, ist uns allen vermutlich gar nicht bewusst. Dabei entscheiden wir sogar bei unserer Partnerwahl, ob wir unseren Gegenüber gut riechen und damit tagtäglich um uns haben möchten. Oft verbinden wir Erinnerungen an Vergangenes mit diesem Duft. Erst gestern beim Passieren eines kleinen Kinos nahe meiner Heimatstadt vernahm ich den intensiven Geruch nach Popcorn. Süße strömte in meine Nase und erinnerte mich an den Film "Die Gärtnerin von Versailles", den ich erst am vergangenen Wochenende nach einem wunderschönen Tag gemeinsam mit meiner Mutter im Cinenova in Ehrenfeld gesehen hatte. Keine Sinneswahrnehmung ist wohl so verführerisch und so bedeutsam wie ein Duft.

In der heutigen Zeit nutzen wir Parfums, um unsere Eigennote mit einem frischen Duft zu unterstreichen. Im 18. Jahrhundert jedoch fürchteten die Menschen das Wasser, das damals ungekocht noch viele Krankheiten übertrug. Entsprechend wurde sich nicht gewaschen, sondern der Gestank des Körpers übertüncht, indem schwere Düfte an eben jenem verteilt wurden. Ich habe sogar gelernt, dass Napoleon selbst täglich eine komplette Flasche des Farina-Duftes für sich nutzte und auf Reisen immer einen Flakon an seinem Stiefel trug, um ja nicht in Verlegenheit zu kommen, unangenehm riechen zu müssen. Ein, wie ich finde, sehr spannendes, wenn auch nicht immer appetitliches, Thema. Dementsprechend hatte ich in der vergangenen Woche beschlossen, all dem näher auf die Spur zu gehen und an meinem freien Tag dem Farina-Museum einen Besuch abzustatten.

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Morgens 10 Uhr in Köln am Duftmuseum Farina

Am Freitag Morgen um 10 Uhr bin ich für eine Führung durch das Duftmuseum angemeldet. Als einzige Teilnehmerin. Und so darf ich den Luxus einer Privatführung für erschwingliche 5 € genießen. Meine Eintrittskarte bekomme ich erst zu Beginn der Führung, indem mir die junge und sehr sympathische Mitarbeiterin einen Spritzer ihres Eau de Cologne auf mein Handgelenk sprüht. Eine Mixtur aus Früchten und Kräutern. Genauer gesagt, besteht des Wasser von Köln, so wird es übersetzt, aus einer Zusammensetzung von Orangen, Zitronen, Pampelmuse, Bergamotte und Cedrat.

"Mein Duft ist wie ein italienischer Frühlingsmorgen nach dem Regen, Orangen, Pampelmusen, Citronen, Bergamotte, Cedrat, Limette und die Blüten und Kräuter meiner Heimat. Er erfrischt mich, stärkt meine Sinne und Phantasie."

(Johann Maria Farina, 1685-1766)

Der junge Giovanni Maria Farina, 1685 in Santa Maria Maggiore als Sohn einer italienischen Aromatiseursfamilie geboren, hatte schon früh den Wunsch, einen Weltduft zu entwickeln. Nachdem ihm seine Großmutter ihr Wissen gelehrt, er seinen sensiblen Geruchssinn trainiert hatte und mittlerweile fähig war, die Einflussfaktoren wie Standort, Klima und Erntezeit der Zutaten herauszuriechen, beschloss der junge Italiener, sein Glück in der europäischen Handelsmetropole Köln zu versuchen. Auf der Bel Étage erzählt mir die junge Museumsführerin die Geschichte dieses großen Parfumeurs. Das heutige Duftmuseum war im 18. Jahrhundert das Zuhause und die Entstehungs- sowie Produktionsstätte des weltweit bekannten Duftes. Unter dem eingedeutschten Namen Johann Maria Farina entwickelte der junge Italiener in diesen Räumen das Eau de Cologne. Er gab ihm eine französische Bezeichnung, weil eben Französisch die damalige Handelssprache war. Die Parfum-Fabrik (heutiges Duftmuseum), in der er sein Eau de Cologne kreierte und produzierte, gründete der junge Farina 1709 gegenüber vom Jülich-Platz.

Auf dieser Etage darf ich bei meiner Führung den Stammbaum der Farina-Familie bewundern, die noch heute in achter Generation das Parfum in Rodenkirchen (Köln) produzieren lässt und in ausgewählten Läden und online verkauft. Die Dame des Museums erzählt mir, wie zur damaligen Zeit Geschäfte abgeschlossen und welcher Aufwand für das gut betuchte Klientel betrieben wurde. Die Verkäufer reisten mit einem Asiatischen Musterkoffer an die Höfe und präsentierten dieses Wunderwasser, das nun endlich nicht mehr von intensiver Schwere gekennzeichnet war, wie seine Konkurrenz, sondern durch eine frische Leichtigkeit. Schnell gewann das Parfum viele Liebhaber aus den Königshäusern von Preußen, Polen, Österreich, Großbritannien, Spanien, Dänemark und der Schweiz. Zu seinen Fans zählten später auch Mozart, Goethe, Marlene Dietrich, Prinzessin Diana und auch Bill Clinton. Doch bevor die britische Prinzessin den Duft zu ihrem Favoriten erkor, wurde zu Zeiten des Parfumeurs unvergleichliches, zelebrierendes Kaufen und Verkaufen betrieben. Kunden wurden gerne in das Farina-Haus geladen, um gemeinsam bei Tisch Konversation zu betreiben und nebenbei ein Geschäft abzuschließen. Ein Wandteppich und weitere Kostbarkeiten seines Empfangssaals sind noch heute auf dieser Etage ausgestellt. Und auch ein Modell zeigt dem Besucher, in welch' luxuriöser Räumlichkeit die Kunden empfangen und bewirtet wurden.

Die ursprünglichen Produktionsstätten des Eau des Cologne

Von der Bel Étage werde ich die Treppe hinunter in das Kellergewölbe geführt und stehe vor einem großen länglichen hölzernen Tisch, auf dem ein überdimensionales Buch ausgelegt ist. Hier trug Farina seine Verkäufe und Käufer ein. Manuell - sehr sorgsam und fehlerfrei. Schon an seiner Buchführung ist zu erkennen, dass der italienische Parfumeur sehr gewissenhaft und präzise arbeitete. So wundert es niemanden, dass sein Archiv zu den größten vollständigen Archiven zählt, das heute zweigeteilt im RWWA und im Pariser Archiv zu finden ist.

In Vitrinen sind verschiedene Ausführungen des Flakons zu bewundern, die von Farina selbst etikettiert und mit seiner roten Tulpe, die damals als kostbares Gut aus türkischen Palastgärten galt, versehen wurde. Ihm war es überaus wichtig, sein Eau de Cologne entsprechend zu kennzeichen, denn im 18. Jahrhundert gab es das heutige Copyright noch nicht und so missbrauchten viele Hersteller Farina's Namen zu ihren Zwecken, um seinen Erfolg für ihre kopierte Kreation zu nutzen. Unzählige Plagiate waren damals auf dem Markt zu erwerben. Einer der bekanntesten Nachahmer war Wilhelm Mülhens, der unter dem italienischen weltweit erfolgreichen Namen seine Kopie vermarktete. Erst später trat das Copyright in Kraft und Mülhens war gezwungen, seinen Duft umzubenennen. Noch heute wird diese Kopie von der Kölner Firma Mäurer und Wirtz GmbH produziert und unter dem mittlerweile sehr bekannten Namen 4711 verkauft. 

Auf jener Etage befindet sich auch der Essenzenraum, indem Farina seine Düfte kreierte. Der als "Vater der modernen Parfümerie" bekannte Sohn einer Aromatiseursfamilie ließ seine Kreationen in seiner Vorstellung entstehen. Sein Mitarbeiter mischte die, nach Farnia's Vorgabe, gewünschten Zutaten zusammen und erst dann testete die sensible italienische Nase des Parfumeurs den neu entwickelten Duft. Auf diese Art und Weise entstanden unzählige Parfums, die seine Kundschaft begehrte.

Auch ich werde von meiner Museumsführerin aufgefordert, mein Riechorgan zu testen. Verschiedene Blütenarten darf ich erschnuppern und unterscheiden. Und mir wird bewusst, dass selbst aufgrund von Erntezeiten und Standorten innerhalb einer Art verschiedenste Düfte entstehen und ein sehr sensibler und geschulter Geruchssinn sowie die nötige Vorstellungskraft hierfür von Nöten sind. Während meiner Riechprobe befinde ich mich in einem, heute unter Denkmalschutz stehenden Raum, dessen Decke von dunklen Holzbalken getragen wird. Hier wurde damals das Parfum produziert und in Fässern abgefüllt. Die zu Farina's Zeit genutzten Gerätschaften können hier noch heute bewundert werden. Und auch Fotos zeigen, wie Frauen im 20. Jahrhundert Düfte in den Produktionsstätten Farina's herstellten. Mittlerweile befinden sich eben jene Produktionsstätten in Rodenkirchen (Köln).

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Zurück im Hier und Heute des Eau de Cologne

Ich befinde mich im Erdgeschoss. Zum Abschied und als Dankeschön überreicht mir die junge Dame, die mir innerhalb einer Stunde die Welt Farina's interessant und spannend näher gebracht hat, ein kleines Präsent. Bestehend aus einem Museumsflyer und einem Flakon, gefüllt mit dem berühmten Duft, der im Museumsladen für 6 € zu erwerben ist. Noch immer vernehme ich den zarten und fruchtigen Duft an meinem Handgelenk. Da die liebenswürdige Dame noch ein wenig Zeit hat, bietet sie mir an, mich durch den Laden zu führen und mir die aktuellen Farina-Düfte vorzustellen. Eine der Editionen besteht aus 12 verschiedenen Düften, die jeder einem Horoskop zuzuordnen sind. Mein Löwenduft entspricht jedoch nicht ganz meinem Geschmack. Somit entscheide ich mich für ein kleines Buch über die Geschichte der Familie Farina. Beim Verlassen des Ladens werde ich herzlich von der jungen Verkäuferin und meiner sehr sympathischen Duftexpertin verabschiedet.

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Mein Fazit

Ich wurde nicht nur herzlich empfangen, sondern auch bei meiner Privatführung wurde sich sehr viel Mühe gegeben. Das Museum ist zwar relativ klein, doch dank der interessanten und privaten Führung war ich gut unterhalten und informiert. Das Farina-Duftmuseum zählt nach meinem Besuch zu meinen Favoriten, die ich bisher besucht habe. Bundesweit. Es wurde sich für mich Zeit genommen und ich fühlte mich wie ein geladener herzlich willkommener Gast. Das einzige Manko hier ist die fehlende Kundentoilette. Für eine Alternative ist jedoch gesorgt. Blasenschwache Besucher werden in ein nur wenige Meter entferntes Café geschickt. Die Mitarbeiter sind an diese Prozedur schon gewohnt und waren mir gegenüber sehr freundlich.

Die Führung ist auf Erwachsene ausgerichtet, daher kann ich einen Familienbesuch nicht unbedingt empfehlen. Für die Kleinen wird daher unter dem Titel "Kinder erleben das Duftmuseum" (bis 10 Jahren kostenlos) eine kleine Duftentdeckungsreise durch den Parfumeur Farina (verkleideter Mitarbeiter) geboten. Erwachsene dürfen für 9 € an diesem Erlebnis teilnehmen.

Öffnungszeiten

Montag - Samstag: 10.00-19.00 Uhr, Sonntag 11-17 Uhr
Das Duftmuseum kann nur per vorab angemeldeter Führung besichtigt werden. Die Anmeldung ist telefonisch und online möglich.
Eintrittspreis: 5 €, inkl. Duftpräsent

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