Heinzelmännchenbrunnen in Köln

Heinzelmännchenbrunnen in Köln

Der Heinzelmännchenbrunnen Am Hof in Köln

Kennen wir sie nicht alle noch aus unserer Kindheit? Die Sagen und Märchen, die uns belehren und teilweise Angst einjagen sollten? Aber es gab auch die schönen Geschichten, die uns den Sinn vieler Dinge erklärten. Auch die Kölner erzählen sich unzählige Sagen. Eine der bekanntesten ist die der Heinzelmännchen. Der Rheinländer selbst galt schon immer als Lebemensch und weniger als Arbeitstier. So wurde sich die Geschichte von den kleinen helfenden Hausgeistern erzählt, die nachts ungesehen in die Häuser der Kölner huschten und die unbeendeten Arbeiten erledigten. So konnte der Rheinländer bedenkenlos und pünktlich die Arbeit niederlegen und den Abend in Ruhe ausklingen lassen. Lange Zeit soll der Kölner den Einsatz der Heinzelmännchen ausgekostet haben. Bis zu jenem Tag, als eine neugierige Dame, genauer gesagt die Frau des Schneiders, dem Ganzen auf die Spur kommen wollte. Sie legte Erbsen auf den Treppenstufen aus und horchte, was passieren würde. Als es polterte, sprang sie auf, erleuchtete den Raum und entdeckte die gefallenen Helferlein. Unter fiesem Gelächter und zutiefst beleidigt, verschwanden die Heinzelmännchen und kehrten nach dieser schrecklichen Nacht nie wieder in die Häuser der Kölner zurück. Seitdem sind die Rheinländer auf sich selbst angewiesen. Oft wird den Hausgeistern noch nachgeweint und die Schneider's Frau verflucht. Am Arbeitsstil der Kölner jedoch soll sich bisher noch nicht viel geändert haben.  

Die besungenen Kölner Heinzelmännchen

Schon 1826 schrieb Ernst Weyden die Sage der Hausgeister. Doch richtig bekannt wurde die Geschichte durch die 1836 durch August Kopisch geschriebene Ballade, die noch heute bis über die Grenzen des Rheinlandes bekannt ist und ursprünglich eine Kritik der Preußen an die in den Tag hinein lebenden Rheinländer sein sollte. Das Denkmal, der Heinzelmännchenbrunnen, der 1899 gebaut wurde, steht heute gegenüber des ältesten Kölner Hofbräuhauses früh.

Heinzelmaennchenbrunnen Koeln3

Die Heinzelmännchen von Köln

Wie war zu Köln es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul, - man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich!

Da kamen bei Nacht,
eh` man`s gedacht,
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten
und rupften und zupften
und hüpften und trabten
und putzten und schabten,
und eh` ein Faulpelz noch erwacht`,
war all sein Tagewerk bereits gemacht!

Die Zimmerleute streckten sich
hin auf die Spän` und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
und sah, was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
und die Säg` in Eil;
sie sägten und stachen
und hieben und brachen,
berappten und kappten,
visierten wie Falken
und setzten die Balken.
Eh` sich`s der Zimmermann versah,
klapp, stand das ganze Haus
schon fertig da!Beim Bäckermeister war nicht Not,
die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
die Heinzelmännchen regten sich;
und ächzten daher
mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
und wogen es richtig
und hoben und schoben
und fegten und backten
und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
da rückte schon das Brot, das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lagen in Ruh`.
Indessen kamen die Männlein her
und hackten das Schwen die kreuz und die quer`.
Das ging so geschwind wie die Mühl` im Wind!
Die klappten mit Beilen, die schnitzten an Speilen,
die spülten, die wühlten und mengten und mischten
und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf,
wapp, hing die Wurst da im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank

der Küfer, bis er niedersank.

Am hohlen fasse schlief er ein,

die Männlein sorgten um den Wein

und schwefelten fein alle Fässer ein -

und rollten und hoben

mit Winden und Kloben

und schwenkten und senkten

und gossen und pantschten

und mengten und manschten.

Und eh` der Küfer noch erwacht`,

war schon der Wein

geschönt und fein gemacht!

Einst hatt` ein Schneider große Pein,

der Staatsrock sollte fertig sein;

warf hin das Zeug und legte sich

hin auf das Ohr und pflegte sich.

Da schlüpften sie frisch an den Schneidertisch

und schnitten und rückten

und nähten und stickten

und fassten und passten

und strichen und guckten

und zupften und ruckten.

Und eh` mein Schneiderlein erwacht`:

war Bürgermeisters Rock

bereits gemacht!

Neugierig war des Schneiders Weib

und macht` sich diesen Zeitvertreib:

streut Erbsen hin die andre Nacht.

Die Heinzelmännchen kommen sacht;

eins fährt nun aus, schlägt hin im Haus,

die gleiten von Stufen und plumpsen in Kufen,

die fallen mit Schallen,

die lärmen und schreien

und vermaledeien!

Sie springt hinunter auf den Schall

mit Licht: husch, husch, husch -

verschwinden all!

    

O weh, nun sind sie alle fort

und keines ist mehr hier am Ort!

Man kann nicht mehr wie sonst sich ruhn,

man muss nun alles selber tun!

Ein jeder muss fein

selbst fleißig sein

und kratzen und schaben

und rennen und traben

und schniegeln und biegeln

und klopfen und hacken

und kochen und backen.

Ach, dass es doch wie damals wär`!

Doch kommt die schöne zeit

nicht wieder her!

(Ballade von August Kopisch)

 

 

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